Beschreibung
Dumitru Crudu
Fünf Uhr und sieben Minuten
Roman
Aus dem Rumänischen übersetzt und mit einem Glossar versehen von Ingrid Baltag und Sarah Tobor
Um Fünf Uhr und sieben Minuten überfiel Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine, das Nachbarland der Republik Moldau. In einer Reihe von 53 Prosastücken verknüpft der Roman traumatische Momente des Landes: die Deportationswellen zwischen 1940-51 in sibirische Gulags, den Transnistrien-Krieg 1991/92 und die Nähe zum aktuellen Krieg in der Ukraine. Die zentrale Figur ist Alexandru, ein Geschichtslehrer, gleichzeitig Protagonist und Erzähler. Atemberaubend geschrieben, bündeln die Geschichten das Leben seiner Vorfahren, Kollegen, Freunde und Feinde und verdichten alles zu einem tragikomischen Fresko. Im alltäglichen Überlebenskampf treffen Zärtlichkeit, Absurdität und extreme Gewalt aufeinander, wir finden berührende Liebesgeschichten, politische Intrigen und Verrat sowie eine Leidenschaft für Fußball.
„Wer jedoch die chronische Gewalt im sowjetischen und ehemaligen sowjetischen Raum kennt, erkennt in diesem Roman eine Welt von fast dokumentarischer Präzision, zumal auch Figuren vorkommen, die in der politischen Szene Bessarabiens tatsächlich existierten oder existieren, und einige Geschichten thematisieren aktuelle Ereignisse wie den Krieg in der Ukraine oder die gekauften Demonstranten in Chișinău. Daneben ziehen uns Figuren in ihren Bann, die in ihrer Naivität und ihrem Altruismus nicht mit dieser gewalttätigen Gesellschaft harmonieren. Eine Welt, die schwer zu ertragen ist, aber Dumitru Crudu weiß, wie er uns einen Rettungsanker zuwirft, und schwarzer Humor ist einer davon.“
Adriana Matcovschi, Journalistin
Ein viel zu aktuelles gesellschaftspolitisches und psychologisches Buch über die europäische Tragödie, den Krieg an der Grenze, die dunkle Seite der Region, mit unvergesslichen Charakteren, von Anfang bis Ende tadellos geschrieben. Jede Seite liest sich scharf wie eine Klinge, ein Tanz am Rande des Abgrunds. Eine wertvolle Lektüre!
Die Übersetzerinnen
Ingrid Baltag
ist Romanistin, Balkanologin und Dozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben zahlreichen Übersetzungen aus dem und ins Rumänische ist sie Autorin zu Themen aus Literatur, Kulturwissenschaft und Film, u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, apropos, Spiegelungen, Deutsch-Rumänische Hefte und andere wissenschaftliche Publikationen.
Sarah Tobor
studierte Italienische und Französische Philologie in Potsdam, Berlin und Palermo. Anschließend vertiefte sie ihr Studium der italienischen Literatur im Rahmen eines Masterprogramms in Montpellier und Rom. Ihr Interesse an den romanischen Sprachen führte sie auch zur rumänischen Sprache, Kultur und Literatur. Sie arbeitet als freiberufliche Übersetzerin.

